1986/87
Keiner kann die Haie stoppen

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Im März waren sie noch überlegener Meister geworden, doch für die Kölner Haie und ihre Führungscrew sollte der Sommer 1986 alles andere als ruhig werden. Die Spieler im Starensemble spürten die Nervosität, denn hinter den Kulissen der Lentstraße lief es nicht mehr ganz so rund. Dies lag möglicherweise auch daran, dass Clemens Vedder, der Macher und Transferkünstler, seinen persönlichen Geschäften vom Büro am Theodor-Heuss- Ring aus verstärkte Aufmerksamkeit schenken musste. Irgendwie verständlich, dass da für die Belange des Haie-Eishockeybereichs nicht mehr ganz so viel Zeit blieb, selbst wenn Vedder noch am Abend des 11. März, unmittelbar nach dem Triumph gegen die DEG spontan Wetten angeboten hatte: "Wir werden auch nächstes Jahr wieder Meister."

Das Unternehmen Titelverteidigung ist geglückt. In der Kabine feiert Trainer Hardy Nilsson mit seinen Spielern, im Bild unten links mit Didi Hegen, oben im Bild mit Helmut Steiger und Udo Kießling (rechts).
Das Unternehmen Titelverteidigung ist geglückt. In der Kabine feiert Trainer Hardy Nilsson mit seinen Spielern, im Bild unten links mit Didi Hegen, oben im Bild mit Helmut Steiger und Udo Kießling (rechts).

So lasteten jetzt mehr Druck und Verantwortung auf Präsident Heinz Landen, der den KEC in den vergangenen Jahren zumeist nach außen vertreten hatte - und dies mit viel Erfolg. Den ersten Ärger gab es wenige Wochen vor dem Bundesligastart. Irgendwie mag es auch ein Qualitätsnachweis für die hochkarätige Arbeit bei den Haien gewesen sein, dass zum zweiten Mal nach Uli Hiemer (1984 zu den New Jersey Devils) die NHL Interesse an einem Kölner Spieler bekundete. Und wenn die stärkste Liga der Welt Höchstgagen bietend auf den Plan tritt, dann haben europäische Klubs keine Chance mehr.

Krupps Abgang

Ganz im Ernst: Der junge Uwe Krupp, gerade erst 21 geworden, wäre so oder so auf die Dauer nicht zu halten gewesen. "Ich habe ihm geraten, noch ein Jahr in der Bundesliga zu bleiben", bedauerte damals KEC-Trainer Hardy Nilsson; das Angebot der Buffalo Sabres aus der NHL war indes zu verlockend. Ärgerlich nur für die Haie: Nach Auffassung des Klubs hatte Krupp einen rechtsgültigen Vertrag, und wo sollte man im September noch einen neuen Verteidiger herbekommen? Nach langem Gerangel mit Buffalo (die Sabres zahlten schließlich rund 200.000 DM für die sofortige Freigabe) zog Krupp von dannen und machte in Amerika eine große Karriere. Der KEC setzte hingegen auf Offensive, denn schon 1985 hatte sich Schatzmeister Vedder - es sollte sein letzter großer Coup zugunsten der Haie sein - die Rechte an Kaufbeurens Stürmerstar Dieter Hegen (24) gesichert, der in Köln für die kommenden drei Jahre zusammen mit Helmut Steiger und Gerd Truntschka eine Angriffsreihe bilden sollte, der auch international immer wieder Spitzenklasse attestiert wurde.

Auch Vedder ging

Zoff hatte es übrigens noch mit einem weiteren Kölner Nationalstürmer gegeben, denn Peter Schiller fühlte sich beim KEC nicht mehr richtig gewürdigt, vor allem finanziell. Wieder setzte ein wochenlanger Streit ein, der vor allem zwischen Schiller und Vedder ausgetragen wurde und damit endete, dass der vielseitig verwendbare (jedoch nie pflegeleichte) Crack aus der Oberpfalz in Richtung Mannheim ziehen durfte. Vedder sah auch angesichts der Tatsache, dass seine Firmenaktivitäten immer mehr ins Visier der Medien geraten waren, im Spätherbst den Zeitpunkt für gekommen, seinen Posten zur Verfügung zu stellen.

Auf der KEC-Mitgliederversammlung im Agnesviertel nahm er die einstimmige Entlastung als Schatzmeister noch erfreut zur Kenntnis, "aber für eine Wiederwahl stehe ich nicht zur Verfügung."

Auch familiäre Probleme kamen bei dem 39-jährigen Diplom-Kaufmann hinzu, der einerseits respektiert, wenn nicht sogar gefürchtet wurde, der von sich jedoch auch völlig zurecht behaupten konnte: "Ich hatte in der Branche den Ruf, dass man mit mir Geschäfte per Handschlag machen kann. So etwas setzt viel Vertrauen und Zuverlässigkeit voraus." Kein Wunder, dass eine Reihe von KEC-Profis über das Eis hinaus mit Clemens Vedder in enge geschäftliche Beziehungen eintraten - und außer mit Peter Schiller bekam er mit niemand ernsthafte Schwierigkeiten.

Zurück zur sportlichen Entwicklung. Als härtester Rivale der Haie kristallisierte sich bald der Sportbund Rosenheim heraus, zu dem Karl Friesen, der Supergoalie, zurückgekehrt war. Auch die Duelle mit der DEG hatten es in sich, und am Ende der Punktrunde gab es ein Wimpernschlagfinale der drei Klubs in der Punktrunde - die Oberbayern lagen einen Zähler vor dem KEC, der aufgrund des besseren Direktvergleichs die punktgleichen Düsseldorfer (beide 48:24) hinter sich lassen konnte.

Zeitgleich mit dem Play- Off-Start gegen den ERC Schwenningen mussten sich die Haie, bei denen gegenüber der Vorsaison auch Steve McNeil nicht mehr dabei war (Trainer Nilsson setzte stattdessen auf junge Neuverpflichtungen wie Thomas Gröger aus Füssen, Udo Schmid von der DEG und den Iserlohner Verteidiger Andy Pokorny) im Europacup mit dem HC Lugano herumschlagen. Irgendwie eine unglückliche Terminsansetzung.

Die 2:4-Schlappe im Viertelfinal- Hinspiel am 5. Februar 1987 nahm Hardy Nilsson noch gelassen, schließlich war der KEC auf eigenem Eis eine Macht. Eine Woche später die Enttäuschung, denn trotz einer 4:1-Führung sieben Minuten vor Schluss (die hätte gereicht) glichen die Tessiner noch aus - der 5:4- Siegtreffer von Miro Sikora in den letzten Sekunden war nur ein schwacher Trost angesichts des so nicht erwarteten Ausscheidens gegen den Schweizer Meister.

Das Halbfinal-Duell führte die Haie wie so oft gegen die Düsseldorfer EG, die diesmal aber nichts zu bestellen hatte - wie auch Chris Valentine keinen Stich sah gegen Kölns Doug Berry.
Das Halbfinal-Duell führte die Haie wie so oft gegen die Düsseldorfer EG, die diesmal aber nichts zu bestellen hatte - wie auch Chris Valentine keinen Stich sah gegen Kölns Doug Berry.

In den Play-Offs lief's dagegen glänzend. Niemand konnte den KEC stoppen, der in einem sensationellen Halbfinale die DEG mit insgesamt 24:5-Toren wegräumte. Absoluter Wahnsinn der einzige Kölner Auftritt an der Brehmstraße: ein einzigartiger 9:1-Triumph, und die Haie machten es noch gnädig, denn nach einem 8:0 nach zwei Dritteln nahm man für jeden Zuschauer sichtbar das Gas raus. Übrigens, Nilsson hatte mit Tom Thornbury aus der kanadischen Olympiaauswahl noch einen erstklassigen Blueliner an Land gezogen, nachdem Brian Young mit einer schweren Knieverletzung ausgefallen war. Nicht anders als der DEG ging es den Mannheimern in den Endspielen, in denen es angesichts der Ergebnisse von 5:0, 6:2 und 9:2 lediglich an der sonst üblichen Spannung fehlte.

Dabei gelang KEC-Keeper Helmut de Raaf in den beiden ersten Finals das Kunststück, die ersten 110 Minuten ohne Gegentreffer zu bleiben, während der Titelverteidiger in diesem Zeitraum dem MERC schon zehn Stück eingeschenkt hatte. Egal. Am 13. März 1987 war Eishockey-Köln wieder ganz oben auf, als DEB-Präsident Otto Wanner Udo Kießling vor 9.000 begeisterten Fans die Meisterschale überreichte.


Saison-Statistik

Platz

Spiele

Siege

Unent.

Niederlage

Tore

Gegent.

Punkte

2. 36 23 2 11 164 101 48
Zahlen in Klammern: Nach Penalty-Schießen

Playoff-Statistik

Viertelfinale

Kölner Haie

Schwenninger ERC 3:0 8:3, 4:3 n.V., 9:0

Halbfinale

Kölner Haie

Düsseldorfer EG 3:0 8:1, 9:1, 7:3

Finale

Kölner Haie

Mannheimer ERC 3:0 5:0, 6:2, 9:2

Spieler-Statistik

Name

Spiele

Tore

Assists

Punkte

Strafen

Doug Berry 42 19 50 69 38
Gerd Truntschka 45 16 49 65 53
Helmut Steiger 43 28 34 62 23
Miro Sikora 43 31 29 60 33
Boguslav Maj 45 28 29 57 32
Holger Meitinger 41 21 24 45 54
Udo Kießling 42 10 34 44 70
Udo Schmid 43 24 15 39 34
Dieter Hegen 33 14 19 33 18
Tom Thornbury 26 10 16 26 20
Rene Ledock 42 8 8 16 31
Christoph Augsten 23 6 7 13 32
Brian Young 16 1 12 13 32
Andreas Pokorny 45 2 9 11 16
Werner Kühn 45 2 8 10 23
Thomas Gröger 45 6 3 9 19
Justyn Denisiuk 25 3 1 4 21
Marc Otten 35 0 3 3 16
Thomas Bornträger 45 0 1 1 4
Alexander Lange 1 0 0 0 0
Helmut de Raaf 44 0 0 0 16

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