1980/81
Der "Passfälscher-Skandal"

Eine Saison wie diese hat es im deutschen Eishockey und auch für die Haie - zum Glück - nicht mehr gegeben. Denn was da vom Sommer 1980 bis ins darauffolgende Frühjahr so alles passierte, das gäbe Stoff für einen Roman, und einen Krimi mit Polizei, Staatsanwälten und Richtern hätte man auch gleich noch daraus machen können. Als Passfälscher- Skandal ging die ganze Chose in die Sportgeschichte ein, und leider kamen auch die Haie nicht ohne Schaden aus der Sache heraus. Denn anstatt mit guten Chancen den dritten Titelgewinn anzustreben, musste der KEC die Spielzeit '80/81 - es war schon so etwas wie eine Demütigung - in einer sportlich wertlosen Relegationsrunde zu Ende spielen.

Optimismus vor dem Start: Heinz Weisenbach präsentiert seine Neuzugänge
Optimismus vor dem Start: Heinz Weisenbach präsentiert seine Neuzugänge

Doch der Reihe nach. Die Welle mit den Deutsch- Kanadiern oder entsprechenden Amerikanern war keineswegs neu, und irgendwie war es natürlich auch kein totaler Zufall, dass Heinz Weisenbach, der neue Trainer der Haie und Mannheimer Meistercoach des Jahres 1980, zwei Jahre zuvor mit dem Import von deutschstämmigen Eishockeycracks begonnen hatte. Viele andere Vereine eiferten jetzt nach, speziell im Westen der Duisburger SC, aber auch Köln wollte bei seinem Neuaufbau nicht auf die verlockenden Möglichkeiten von jenseits des Atlantiks verzichten.

Dubiose Papiere

Um es mal klar zu sagen: die meisten Pässe, die vorgelegt wurden, waren durchaus korrekt, aber eben nicht alle. Beim KEC glaubte das neue Führungsteam mit Präsident Heinz Landen und Schatzmeister Clemens Vedder (der hatte meist das Sagen) im grünen Bereich zu sein, zumal man sich der Dienste des umtriebigen DEB-Funktionärs Wolfgang Sorge versichert hatte. Wer da wen ausgetrickst hat, darüber schwirrten noch Jahre später die verschiedensten Versionen durchs Land.

Nicht nur um sportliche Belange ging es bei den Pressekonferenzen von Trainer Heinz Weisenbach und KEC-Präsident Heinz Landen.
Nicht nur um sportliche Belange ging es bei den Pressekonferenzen von Trainer Heinz Weisenbach und KEC-Präsident Heinz Landen.

Fakt war jedenfalls, dass das deutsche Generalkonsulat im kanadischen Edmonton schon im Mai 1980 den DEB auf mögliche Passvergehen im Zusammenhang mit dem Transfer von Eishockeyspielern in die Bundesrepublik hingewiesen hatte. Schon vor dem Saisonstart ging es los mit ersten Kontrollen, doch noch ließ sich nichts Konkretes ermitteln. Im Mittelpunkt stand der Duisburger Manager Fritz Hesselmann, der die besten Kontakte nach Nordamerika unterhielt.

Beim KEC waren es die Spieler Chuck Arnason, Kevin Nagel, Ray Hanske und Mike Ford, um die sich die meisten Gerüchte rankten, bei der DEG stand ein später so prominenter Name wie Ralph Krueger zur Diskussion. Insgesamt ging es, die 2. Liga mit eingeschlossen, um 75 Puckjäger, die unter dem Verdacht standen, möglicherweise nicht "sauber" zu sein. Die Anwälte hatten reichlich zu tun, doch die Saison ging erst einmal los.

Mit vielen Hoffnungen gingen die Haie, die ein Jahr des Umbruchs hinter sich lassen wollten, an den Start, und Heinz Weisenbach hatte sehr viel neues Personal zur Verfügung, darunter mit Nationaltorwart Siggi Suttner, Center Martin Wild und dem finnischen Superverteidiger Hannu Haapalainen Kräfte, die das Team einfach wieder nach oben bringen mussten. Beim Saisonstart am 5. September 1980 rappelte es indes gleich im Karton, als aus der DEB-Zentrale Stunden vor dem ersten Bully ein Telegramm aus der Münchener Verbandszentrale eintraf: "Reisepässe von Ford, Arnason und Nagel nicht vorgelegt. Spieler sind nicht spielberechtigt. Bei Einsatz droht Punktabzug."

Das dicke Ende

Keine glückliche erste Saison in Köln: Hannu Haapalainen
Keine glückliche erste Saison in Köln: Hannu Haapalainen

Erstaunlich, Mike Ford hatte 1979/80 komplett in Duisburg absolviert - als Deutscher! Doch der KEC ließ ihn beim 9:4 gegen den Altmeister EV Füssen draußen, und (das passte) Arnason und Nagel waren verletzt. Eine Woche später waren dann alle drei dabei, wobei Ford, der Mann mit dem härtesten Schlagschuss der Bundesliga, als zweiter Ausländer neben Haapalainen aufgeboten wurde, nachdem sich der als Torjäger verpflichtete Bill Lochead gleich einen Kieferbruch zugezogen hatte und zwangspausieren musste.

Doch das Hickhack um die umstrittenen Leute hielt an, zumal auch die Medien sich des Themas intensiv angenommen hatten. Clemens Vedder reagierte wie immer rasch: Arnason und Nagel wurden Anfang November in die Schweiz abgeschoben, und weil Lochead, wegen der Verteidigerkonkurrenz von Ford und Haapalainen bisweilen als dritter Ausländer überzählig, für Unruhe sorgte, durfte sich der ESV Kaufbeuren über einen erstaunlichen Blitztransfer (quasi mit eingebauter Torgarantie) freuen.

Das dicke Ende für die Haie: Am 25. Februar 1981, es war ausgerechnet der Weiberfastnachtstag im schunkelnden, trunkenen Kölle, erkannte der DEB den Haien die 22 mit Arnason und Nagel gewonnenen Punkte ab, annullierte das bereits gegen Landshut gewonnene Play-Off-Viertelfinale (erstmals wurde der neue Modus angewandt) und verbannte den Tabellenzweiten KEC in eine lächerliche Abstiegsrunde. Riessersee holte sich derweil den ersten Titel der neuen Machart im Finale gegen die DEG, und da ging beinahe unter, dass ARD und ZDF die Eishockeyübertragungen eingestellt hatten - man störte sich an der Trikotwerbung (ja, so war's!), und den zwölf Klubs entging damit die "phantastische" TV-Jahresgage von 150.000 DM (für alle!).


Saison-Statistik

Platz

Spiele

Siege

Unent.

Niederlage

Tore

Gegent.

Punkte

10. 50 22 2 26 198 198 46
Zahlen in Klammern: Nach Penalty-Schießen

Spieler-Statistik

Name

Spiele

Tore

Assists

Punkte

Strafen

Gerd Truntschka 50 26 58 84 85
Miro Sikora 50 44 30 74 59
Martin Wild 50 14 49 63 12
Peter Schiller 51 25 37 62 94
Rainer Philipp 52 31 30 61 52
Mike Ford 43 23 30 53 86
H. Haapalainen 49 18 32 50 14
Harry Pflügel 23 22 9 31 64
George Fritz 44 20 8 28 44
Bill Lochead 17 16 8 24 61
Franz Hofherr 50 9 13 22 51
Toni Forster 28 5 14 19 20
Christoph Augsten 52 8 10 18 46
Harald Krüll 41 7 9 16 29
Chuck Arnason 16 5 7 12 10
Ray Hanske 52 2 8 10 71
Werner Kühn 46 2 1 3 22
Simon Sochatsky 17 1 1 2 8
Kevin Nagel 15 1 1 2 10
Jörg Lautwein 2 1 0 1 0
Lothar Strauch 24 1 0 1 4
Siegmund Suttner 48 0 1 1 14
Th. Geldmacher 2 0 0 0 0
Werner Heyn 36 0 0 0 0
Achim Werner 1 0 0 0 0
Markus Dettlaff 2 0 0 0 0
Bernhard Köpf 20 0 0 0 20

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