Es ist eigentlich egal, wann man auf Patrick Russell trifft. Der Däne ist immer höflich, immer gut gelaunt, hat immer einen gewissen Schalk im Nacken und ist im Umgang einfach sehr angenehm und professionell. Der 33-jährige Familienvater ist erfahren und hat in seiner Karriere schon einiges erlebt – so stehen u.a. auch Einsätze für die Edmonton Oilers in der NHL in seiner Vita. Uns kam die Idee, mit dem dänischen Nationalspieler über ein Thema zu sprechen, was im ersten Moment vielleicht gar nicht so einfach zu Greifen ist: „Wie kann man Konkurrent und gleichzeitig Teamkollege bzw. Freund sein?“. Herausgekommen ist dabei ein erfrischend ehrliches Gespräch mit einem erfrischend ehrlichen Menschen.
Patrick, am Dienstag habt ihr Siedler von Catan gespielt. Markus Ljungh hat dich im Anschluss gelobt und gesagt, dass er dir den Sieg gegönnt hat, weil du ihm trotz deiner aggressiven Art dabei geholfen hast, das Spiel zu verstehen. Ist es dir wichtig, Menschen mitzunehmen?
„Auf jeden Fall. Markus ist ein Neuzugang, dem es hilft, wenn man ihn mitnimmt. Mir ging es ja nie anders, wenn ich in neue Teams gekommen bin. Ich erinnere mich noch gut an den vergangenen Sommer – da wurde ich von Stormi und den anderen auch sehr schnell integriert. Ich finde es wichtig, das im Kopf zu haben und weiterzugeben.“
Du hast in deiner Karriere viel erlebt, mal warst du der Neue, mal der Arrivierte. Was würdest du sagen, verändert sich in einer Mannschaft, wenn neue Spieler dazukommen?
„Es ist immer eine gute Sache. Das bringt in der Regel frischen und positiven Wind in die Mannschaft. Eine Mannschaft besteht aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten. Wie aus diesen ein Team und am Ende ein zusammengeschweiter Haufen wird, ist etwas, was ich gerne beobachte und woran ich gerne mitwirke. Es ist spannend zu sehen, welche Charaktere besonders gut miteinander interagieren, und ich habe das Gefühl, dass wir als Gruppe gerade echt eine gute Verbindung entwickeln. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es nach einem Sommer immer gute Leute gibt, die den Verein verlassen – das kann auch wehtun.“
Was würdest du sagen, unterscheidet einen Teamsportler von einem Individualsportler? Nehmen wir mal einen Eishockey- und einen Golfspieler als Vergleich.
„In einem guten Team arbeitet jeder für das gemeinsame Ziel. Dazu gehören die Trainer, die Mannschaft, aber auch die Menschen, die hinter dem Team arbeiten. Als Individualsportler bist du letztlich stärker auf dich selbst gestellt und kannst am Ende nur dich selbst zur Rechenschaft ziehen oder auch feiern.“
Betreibst du eine Individualsportart?
„Ich golfe ab und zu, so wie gestern – und da war ich leider sehr schlecht. Ich würde sagen, dass ich dann auch frustrierter bin, als wenn ich mal einen schlechten Tag im Eishockey erwische. Da wei ich nämlich, dass ich eine Mannschaft habe, die mir den Rücken stärkt und mich auch mal tragen kann. So ist es gut möglich, dass wir als Team Spiele gewinnen, obwohl ich mit meiner Leistung nicht zufrieden war – dann bin ich am Ende aber trotzdem glücklich, da es um den Teamerfolg geht. Gestern beim Golfen war ich weniger glücklich (lacht). Von daher freue ich mich, Eishockey in einer Mannschaft zu spielen.“
Würdest du sagen, dass Konkurrenz gut für eine Mannschaft ist?
„Absolut. Wir haben eine sehr kompetitive Mannschaft – das liegt meiner Meinung nach ein Stück weit in der Natur von Eishockeyspielern. Wir nutzen die freie Zeit hier, um Siedler von Catan zu spielen oder Golfen zu gehen – am Ende sind es immer kleine Duelle, die man sich auf einer spaigen Ebene liefert. Am Ende ist es ganz einfach: Jeder von uns will immer gewinnen. Das spüren wir auf dem Eis, aber auch auf dem Golfplatz oder beim Gesellschaftsspiel.“
Rückblickend auf deine Karriere – wer war bisher der härteste Konkurrent?
„Eine gute Frage. Es ist hart, einen speziellen Spieler herauszuwählen, weil es im Laufe der Jahre einfach viele waren. (überlegt lange und fängt an zu lachen) Ich mag es eigentlich nicht, ihm Anerkennung zu geben, aber ich muss sagen, dass ‚Mo‘ ein harter Konkurrent ist. Und nicht falsch verstehen: Mo und ich mögen uns sehr. Aber: Er ist sehr ehrgeizig und verbissen – so wie ich. Wir wollen beide immer gewinnen und die direkten Duelle können hart sein. Das tut gut.“
Kann ein Spieler gleichzeitig Konkurrent und dein bester Trainingspartner oder auch ein guter Freund sein?
„Ja. Es ist wichtig, das eine vom anderen zu trennen. Gestern habe ich mich beispielsweise die ganze Zeit im Training mit einer Person duelliert.“
Lass uns raten, Mo?
„Natürlich Mo (lacht). Auf dem Eis geht’s dann gut ab, aber danach ist sofort Feierabend und wir gucken gemeinsam nach vorne. Am Ende hilft es uns und damit der Mannschaft, besser zu werden. Vergangenes Jahr waren wir im Halbfinale und hatten nach dem Ausscheiden das Gefühl: ‚Das war nicht gut genug.‘ Diesen Gedanken vor Augen, lohnt sich jeder Zweikampf und jedes Duell im Training. Freundschaft hin, Freundschaft her. Nur so holen wir uns auch für die Pflichtspiele die nötige Bereitschaft.“
Hilfst du einem Mitspieler, der um dieselbe Position kämpft, obwohl du selbst davon profitieren könntest, wenn er schlechter ist?
„Klar. Der Umgang damit ist vielleicht über die Jahre und mit der Erfahrung noch etwas reifer geworden, aber ich habe mir schon immer gedacht, dass es nur dienlich ist, anderen zu helfen. Werden meine Teamkollegen besser, wird die Mannschaft besser – davon profitiere ja auch ich als Spieler oder die Organisation, für die ich spiele. Von daher ist es wichtig, sich zu helfen, auch wenn es natürlich immer wieder Momente gibt, in denen Spieler nicht zufrieden sind, weil sie nicht spielen. Auch den jungen Spielern zu helfen, gehört auf jeden Fall dazu, auch wenn sie eines Tages dann so gut sein können, dass sie dir den Platz wegnehmen. Wichtig ist auch immer zu verstehen, dass ich von jedem anderen etwas lernen kann – da spielt das Alter keine Rolle.“
Gehst du mit Konkurrenz heutzutage anders um als vielleicht noch zu Beginn deiner Karriere?
„Ich würde gerne sagen, dass ich mit der Zeit gelernt habe, ein guter Verlierer zu sein, aber ich möchte ungerne lügen. Ich hasse es immer noch, zu verlieren. Das ändert sich meiner Meinung nach auch nicht unbedingt.“
Bist du denn ein guter Gewinner? Was meinst du, was Mo sagen würde?
„Ich will ja ehrlich bleiben – ich bin kein guter Gewinner (lacht). Wenn ich gegen Mo auch nur ein noch so kleines Duell gewinne, dann lasse ich es ihn wissen. Das machen wir beide gerne und hilft am Ende einmal mehr dem Team.“
Gibt es jemanden im Camp, der dich gerade besonders fordert?
„Ich bleibe bei Mo – aktuell spielen wir in den Trainingseinheiten oft gegeneinander und wissen dann vorher schon, worauf sie sich einstellen müssen. Wir sind aber nicht die Einzigen, die direkte Duelle austragen. Meiner Meinung nach gibt es bestimmt fünf direkte Duelle bei jedem Training – es macht Spa, das Ganze auf dem Eis zu sehen und zu merken, dass man nicht der Einzige ist.“