Der erste Eindruck stimmt. Robin Press hatte bei den Gesprächen mit den Haien sofort das Gefühl, dass der KEC und er gut zusammenpassen. Genau das überzeugte den schwedischen Verteidiger von einem Wechsel in die PENNY DEL. Im Interview erzählt der 31-Jährige, warum er sich für Köln entschieden hat, welche Erfahrungen ihn vom NHL-Draft über Nordamerika bis zu Meistertiteln in Finnland und der KHL geprägt haben – und weshalb für ihn heute nur noch eines zählt: gemeinsam als Team um Titel zu spielen.
Robin, zuerst einmal: Du hast uns erzählt, dass du gerade im Urlaub bist. Wo erreichen wir dich denn?
„Im Westen Schwedens, ganz in der Nähe der norwegischen Grenze. Das ist eigentlich ein Skigebiet, aber im Sommer kann man hier wunderbar wandern oder Mountainbike fahren. Wir haben hier oben auf einem Berg ein Haus gemietet – gemeinsam mit der Familie meiner Verlobten. Wir werden viel wandern, es gibt jede Menge Aktivitäten für die Kinder und wir haben sogar eine Sauna und einen Whirlpool. Das Wetter ist heute zwar nicht ideal, aber die Woche wird bestimmt trotzdem vollgepackt mit schönen Unternehmungen.“
Klingt nach einer tollen Auszeit. Sind das die Dinge, die du im Sommer am liebsten machst, um vom Eishockey abzuschalten?
„Auf jeden Fall. Gerade wenn man die meiste Zeit des Jahres im Ausland spielt, ist es einfach schön, nach Hause zu kommen und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Dabei ist eigentlich egal, was man macht – ob man gemeinsam auf der Couch sitzt, angeln geht oder Golf spielt, was ich sehr gerne mache. Im Sommer geht es vor allem darum, den Kopf freizubekommen und Zeit mit den Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind.“
Das Thema Familie scheint bei dir ohnehin eine groe Rolle zu spielen. Dein Vater war Eishockeyspieler und auch deine Schwester spielt. War Eishockey deshalb schon in deiner Kindheit allgegenwärtig?
„Definitiv. Mein Vater hat mich schon sehr früh aufs Eis gestellt. Ehrlich gesagt hat es mir am Anfang gar nicht so viel Spa gemacht. Ich habe zunächst lieber Floorball gespielt. Aber irgendwann hatte ich keine Ausrede mehr und musste es einfach ausprobieren – und dann habe ich mich in den Sport verliebt. Mein Vater hat uns immer unterstützt und begleitet und Eishockey war immer ein wichtiger Teil unserer Familie.“
2013 wurdest du von den Chicago Blackhawks gedraftet und hast später in der AHL und ECHL gespielt. Welche Bedeutung hatte diese Zeit für dich?
„Das war damals natürlich der gröte Schritt meiner Karriere. Mit 18 Jahren in die USA zu kommen, die groen Städte, die NHL-Organisationen und die Development Camps kennenzulernen – das war unglaublich spannend. Später dann in der AHL und ECHL zu spielen, hat mir ebenfalls sehr viel gebracht. Natürlich gab es auch schwierige Erfahrungen, aber genau daraus lernt man. Ich habe viel darüber gelernt, wie das Spiel auf und neben dem Eis funktioniert. Auch das Leben in den USA war eine tolle Erfahrung. Rückblickend habe ich aus dieser Zeit sehr viel mitgenommen.“
Nach Nordamerika ging es für dich nach Finnland zu Lukko. Dort hast du die finnische Meisterschaft gewonnen und wurdest auch individuell ausgezeichnet. Welche Erinnerungen verbindest du mit dieser Zeit?
„Das war eine ganz besondere Zeit. Das Jahr davor in Schweden war schwierig für mich. Ich war oft nur der siebte oder achte Verteidiger und bekam wenig Eiszeit. In Finnland habe ich dann eine groe Chance erhalten und viel Vertrauen gespürt. Schon in meiner ersten Saison hatten wir eine richtig starke Mannschaft, aber wegen der Corona-Pandemie wurden die Playoffs abgesagt. Das war natürlich enttäuschend.
Im zweiten Jahr hatten wir meiner Meinung nach sogar ein noch besseres Team. Wir haben unglaublich dominiert und das hat einfach riesigen Spa gemacht. Wir waren eine junge Mannschaft mit einer groartigen Dynamik. Gleichzeitig war die Zeit wegen Corona natürlich ungewöhnlich. Ich wohne in Schweden nur etwa 50 Flugminuten entfernt, konnte aber wegen der Quarantäneregeln kaum nach Hause reisen. Trotzdem war das sportlich wahrscheinlich die beste Saison meiner Karriere – sowohl persönlich als auch als mit der Mannschaft.“
Anschlieend bist du in die KHL gewechselt und hast 2024 den Gagarin Cup gewonnen. Was hat diesen Titel so besonders gemacht?
„Das war auf eine ganz andere Art besonders. Anders als in Finnland ging es über vier komplette Playoff-Runden mit Best-of-Seven-Serien. Das war ein echter Kraftakt. Wir hatten zwar eine starke Mannschaft, aber vor allem vor dem Finale galten wir keineswegs als Favorit. Die meisten hatten erwartet, dass wir verlieren würden.
Gerade deshalb war es etwas Besonderes. Wir haben das Finale sogar mit vier Siegen in vier Spielen gewonnen – das war eine groe Überraschung. Als Mannschaft haben wir genau zum richtigen Zeitpunkt unser bestes Eishockey gespielt. Das zeigt, dass im Sport alles möglich ist. Das macht diesen Titel für mich so besonders.“
Jetzt beginnt für dich ein neues Kapitel bei den Haien. Warum hast du dich für den Wechsel nach Köln entschieden?
„Ich wollte wieder näher an meiner Heimat sein und deshalb zurück nach Europa wechseln. Als Köln Interesse gezeigt hat, habe ich mit Matthias Baldys (Haie-Sportdirektor) gesprochen und auch mit ehemaligen Spielern, die bereits dort gespielt haben. Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl.
Der Club hat in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung genommen. Die Haie wollen zu den Spitzenteams gehören und um Titel kämpfen. Genau das suche ich ebenfalls. Natürlich sprechen auch die Stadt, die Organisation und die Fans für sich, aber für mich steht dabei eines im Mittelpunkt: Ich möchte für eine Mannschaft spielen, die Meisterschaften gewinnen will.“
Du hast bereits in vielen verschiedenen Ländern und Ligen gespielt. Wird dir diese Erfahrung den Einstieg in Deutschland erleichtern?
„Dies hoffe ich. Ich denke, die Sprache wird einfacher sein als zuletzt in Russland, weil deutlich mehr Menschen Englisch sprechen. Auerdem fühlt sich Europa insgesamt natürlich vertrauter an. Deutschland unterscheidet sich wahrscheinlich gar nicht so sehr von Schweden. Natürlich möchte ich auch ein bisschen Deutsch lernen, aber ich glaube, die Eingewöhnung wird insgesamt besser verlaufen. In jeder Mannschaft spielt man ohnehin mit Teamkollegen aus vielen verschiedenen Ländern – deshalb ist man das gewohnt.“
Zum Abschluss: Welche Ziele hast du persönlich und was möchtest du den Haie-Fans mit auf den Weg geben?
„Meine persönlichen Ziele sind im Grunde dieselben wie die der Mannschaft. Für mich geht es darum, so gutes Eishockey wie möglich zu spielen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Ich möchte mit diesem Club um Titel kämpfen und alles dafür tun, dass wir als Team unser bestes Eishockey spielen. Darauf freue ich mich sehr – und ich kann es kaum erwarten, die Fans in Köln kennenzulernen und gemeinsam mit ihnen eine erfolgreiche Saison zu erleben.“