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Was macht eigentlich Thomas Greiss?

DIENSTAG, 12. DEZEMBER 2006

Bei den Kölner Haien spielte er sich innerhalb von nur einer Saison in die Herzen der Fans und in die Notizblöcke der NHL-Scouts. Thomas Greiss, seinerzeit von Manager Rodion Pauels nach Köln geholt, wurde beim KEC in der letzten Saison zur Nummer 1 und zum Nationaltorhüter. Im Sommer wechselte er über den großen Teich, um seinen Traum „NHL“ bei den San Jose Sharks wahr werden zu lassen.


Mittlerweile stand Greiss im Kader von drei verschiedenen Teams: San Jose (NHL), Worcester (AHL) und Fresno (EHCL). Auch wenn sein NHL-Traum zunächst verschoben scheint, sammelt er gute Kritiken: Direkt in seinem ersten Spiel in Fresno hielt er den Sieg gegen die Utah Grizzlies (3:1) fest und wurde zum Star des Spieles gewählt. Nach nur wenigen Tagen wurde er aber zurück nach Worchester in die AHL beordert, wo er auch direkt einen Sieg festhielt (Bester Spieler des Spiels in Norfolk). Im Interview spricht Thomas Greiss über sein Amerika-Abenteuer?


Bist Du enttäuscht, nicht in der NHL zu spielen?


Nein, auf gar keinen Fall. Es ist der natürliche Gang der Dinge. Bei meiner Ankunft sagte man mir sofort „Du wirst erst mindestens ein Lehrjahr in den Minors absolvieren“.  Ich muss mich erst an alles Neue gewöhnen. Ich bin noch sehr jung und werde mich durch meine Leistungen hoffentlich für höhere Aufgaben empfehlen. „Durchbeißen“ heißt meine Devise! Spielpraxis ist das beste Training.


Wie wurdest Du in Amerika von den Sharks empfangen?


Es war einfach toll. Zuerst hatten wir eineinhalb Wochen nur ein spezielles Torwarttraining, bei dem es auch schon ganz schön hart zur Sache ging. Danach kam das Camp der Sharks, an dem alle zur Organisation gehörenden Spieler teilnahmen. Es war eine prima Erfahrung und ich habe noch viel gelernt. Bei einem Vorbereitungsspiel kam ich in den Genuss im Tor stehen zu dürfen.


Wie ging es weiter?


Als das Trainingscamp beendet war, wurde mir ein Flugticket in die Hand gedrückt und ab ging es aus dem schönen Kalifornien an die Ostküste nach Worcester in Massachusetts. Mit Dimitri Pätzold und Nolan Schaefer hatte ich auch noch zwei sehr gute Konkurrenten um den Platz im Gehäuse und so drückten sie mir als Rookie wieder ein Flugticket in die Hand und die Reise ging zurück nach Kalifornien, aber dieses Mal nach Fresno zu den dortigen Falcons – damit ich mehr Spielpraxis bekomme.


Wie siehst Du die Spielstärke in der AHL, ECHL verglichen mit der DEL?


Die American Hockey League ist schon eine extrem gute Liga. Hier kommen vor allen Dingen junge Leute zum Einsatz, um sich für die NHL zu empfehlen. Fast alle NHL-Clubs haben ein Farmteam in der AHL und die wiederum in der ECHL. Also setzt sich jeder Spieler voll ein, läuft und schießt ohne Ende. Es ist schon etwas anderes als in der DEL, was aber vielleicht auch von den geringeren Ausmaßen der Eisflächen abhängt.


Ist das weite Reisen mit den Teams nicht strapaziös?


Das kann ich eigentlich noch gar nicht so richtig beurteilen, da in der AHL fast alle Mannschaften praktisch an der nächsten Ecke spielen – die meisten Gegner sind mit Bustouren von ungefähr zwei Stunden zu erreichen – und in der ECHL hatte ich nur Heimspiele erlebt. Als die weiten Fahrten/Flüge kamen, war ich schon wieder weg! Ja, das geht hier ruckzuck – in der kurzen Zeit habe ich wirklich schon sehr viel erlebt! Von der Westküste (San Jose) an die Ostküste (Worchester). Zurück nach Fresno (Westküste), dann nach San Jose beordert, zurück nach Fresno und nun wieder in Worchester.


Wo lebst Du?


Hier in Worcester wohne ich bei einer Gastfamilie. In Fresno lebte ich mit zwei Teamkameraden in einem größeren Appartement. Es waren der andere Goalie Ryan McDonald und der Verteidiger Tom Walsh, der auch als Rookie manchmal im AHL Team in Worchester spielt.


Hast Du die Kölner Rückennummer 92 beibehalten?


Bei den Worchester Sharks bin ich wieder zu meiner ursprünglichen 29 zurückgekehrt, jetzt habe ich die 33, mal sehen was kommt.


Verfolgst Du die DEL und Deine „deutschen Haie“ weiter?


Ja, es ist sehr praktisch mit dem World Wide Web – so bleibe ich online auch hier über alles informiert. Mit Adam Hauser scheinen sie einen guten Ersatz für mich gefunden zu haben!


Text/Interview: Paul Mitzka