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Offener Brief zum Thema „Kassel Huskies“

DONNERSTAG, 08. JULI 2010

Liebe Freunde und Partner der DEL, liebe Medienvertreter,


wir, die unterzeichnenden Gesellschafter-Clubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL), wenden uns heute mit einem offenen Brief an Sie und Euch.


Das Thema „Kassel Huskies“ mit den einhergehenden Schlagzeilen prägt die aktuelle Eishockeyberichterstattung. Das ist nicht in unserem Sinne, wir wissen um die entsprechende Wirkung in der Öffentlichkeit.


Leider versuchen die Kasseler derzeit, eine schnelle Klärung vor dem eigentlich dafür vorgesehenen Schiedsgericht, das von allen DEL-Clubs (hierunter auch Kassel) gerade zur Klärung solcher Streitigkeiten eingesetzt wurde, zu verhindern, indem sie die ordentlichen Gerichte bemühen. Selbst unser Angebot, alle strittigen Themen rechtzeitig vor Saisonbeginn von einem neu zu bildenden Schiedsgericht klären zu lassen, wurde nicht angenommen. Kassel spielt ersichtlich auf Zeit und setzt offenbar darauf, die Zulassung zum Spielbetrieb mit Hilfe einstweiliger gerichtlicher Anordnungen zu erreichen, obwohl eine Lizenz nicht erteilt worden ist. Das können wir als Gemeinschaft der DEL-Clubs nicht hinnehmen.


Zum Hintergrund: Die Kassel Huskies wurden am 22. März 2010 von einem neuen Eigentümer übernommen. Die Unternehmensgruppe dieses Eigentümers plant in Kassel ein Bauprojekt mit einem hohen achtstelligen Kostenvolumen. Zentraler Baustein des Projekts ist eine Multifunktionshalle, in denen die Kassel Huskies als Hauptmieter spielen sollen. In diesem Fall werden vermutlich auch erhebliche öffentliche Förderungen gewährt werden. Trotz mehrfachen Hinweises, dass nach Satzung der Liga die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens den Ausschluss aus der DEL zur Folge haben kann und in der Vergangenheit auch immer hatte, hat der Club bereits am 25. März 2010, also nur drei Tage nach der Übernahme des Clubs durch den neuen Eigentümer, einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Kassel gestellt. Am 28. April 2010 wurde dann das Insolvenzverfahren eröffnet. In diesem anschließenden Insolvenzverfahren hat die Unternehmensgruppe des neuen Eigentümers lediglich 150.000 € als Kostenbeteiligung (zur Masse) angeboten, wenn die Gläubiger auf rund 2 Millionen Euro verzichten und die Kassel Huskies weiter in der DEL verbleiben. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Kassel, trotz Berechtigung, nicht vorsorglich um eine Lizenz in der 2. Bundesliga beworben hat.


Schon im Insolvenzplan wurde damit geworben, dass die durch die Insolvenz frei werdenden Mittel in eine Verstärkung des Kaders mit namhaften Spielern investiert würden. Die erheblichen Beitragsausfälle, die die Verwaltungsberufsgenossenschaft im Rahmen des Insolvenzplanes erleidet, würden nach unserer Einschätzung ironischerweise in der nächsten Beitragsrunde indirekt sogar auf die anderen DEL-Clubs umgelegt.


Nachfolgend wurde der Club von uns einstimmig als Gesellschafter der DEL ausgeschlossen, so wie es in der Vergangenheit bei jedem anderen Club, über dessen Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, geschehen ist (immer auch mit der Stimme der Kassel Huskies). Dieses klare, eindeutige und der Satzung der Liga entsprechende Vorgehen wurde von den Kassel Huskies mit einstweiligen Verfügungen unter Strafandrohung gestoppt.


Dieses Vorgehen konterkariert jede Form eines fairen sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbs zwischen unseren Clubs. Es kann nicht angehen, dass ein einzelner Club die Regeln missachtet, sich über ein Insolvenzverfahren zu Lasten Dritter seiner Verbindlichkeiten entledigt und dann zur neuen Saison, zudem auch noch ohne den Nachweis eines abgesicherten Etats, wieder antreten darf, als sei nichts gewesen. Würde so etwas zulässig sein, könnte jede Sportliga in Deutschland ihr Lizenzierungsverfahren abschaffen und jeder Sport-Club würde sich kurzfristig über Insolvenzen seiner Schulden zu entledigen suchen. Ein wirtschaftlich und damit auch sportlich fairer Wettbewerb würde unmöglich gemacht.


Viele von uns haben in den letzten Jahren wirtschaftlich schmerzhafte Einsparungen oder gar Sanierungen aus Gesellschaftermitteln durchführen müssen, um weiterhin oder wieder in der DEL spielen zu können. Unser Lizenzierungsverfahren regelt eindeutig, welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, um eine Bestätigung der Lizenz zu erhalten Diese Bedingungen haben die Kassel Huskies nicht erfüllt, ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnten sie im Lizenzprüfungsverfahren nicht ausreichend darlegen. 


Kassel versucht nunmehr, sich über juristische Aktionen ein vorläufiges Spielrecht für die kommende Saison zu erstreiten. Ob Kassel allerdings auch in den nun anstehenden Berufungs- und Hauptsacheverfahren, die auf die einstweiligen Verfügungen folgen werden, Recht bekommen wird, ist längst nicht ausgemacht. Alle vier Einstweiligen Verfügungen, mit denen Kassel bisher die Kündigung des Lizenzvertrages und den Ausschluss aus der Liga verhindert hat, sind von einem einzelnen Richter beim LG Köln erlassen worden. Diese Einstweiligen Verfügungen sind ohne Begründung und offensichtlich ohne Würdigung von vorliegenden Schutzschriften und ohne vorherige Anhörung unserer Seite erlassen worden. Wir sehen es als besonders kritisch an, dass mit diesen gerichtlichen Anordnungen das Ergebnis eines ordentlichen Hauptsacheverfahrens vorweg genommen wird, indem die DEL nun gezwungen werden soll, Kassel mitspielen zu lassen. Das finden wir bedenklich, dagegen werden wir mit allen juristischen Mitteln vorgehen.


Aus diesem Grunde sind wir auch fest entschlossen, für den Fall, dass uns erst im Laufe der Saison Recht gegeben werden sollte, die Kassel Huskies auch dann sofort vom Spielbetrieb auszuschließen.


Die Kassel Huskies nehmen mit ihrer Vorgehensweise und mit ihren Äußerungen in den Medien auch in Kauf, dass sie das Bild der Liga in der Öffentlichkeit sowie das Ansehen von Organen und handelnden Personen der DEL und der Clubs schädigen. Das finden wir ungeheuerlich, das werden wir nicht weiter zulassen!


Schließlich möchten wir betonen, dass es uns überhaupt nicht um eine Standortfrage für oder wider Kassel oder persönliche Sympathien geht, sondern allein um die Gleichbehandlung aller Clubs und die Achtung unserer selbst gegebenen Regeln und Prinzipien. Alle unterzeichnenden Clubs respektieren diese Regeln. Deshalb hat auch beim Ausschlussverfahren nicht ein einziger Club für Kassel gestimmt. Handelten wir anders, würden wir uns auch vor uns selbst und unseren Eigentümern unglaubwürdig machen.


Adler Mannheim, Augsburger Panther, Eisbären Berlin, DEG Metro Stars, Hamburg Freezers, Hannover Scorpions, EHC München, ERC Ingolstadt, Iserlohn Roosters, Kölner Haie, Krefeld Pinguine, Thomas Sabo Ice Tigers, Straubing Tigers, Grizzly Adams Wolfsburg