In der LANXESS Arena prägen Gemeinschaft, Fangesänge und rasante Eishockey-Action das besondere Heimspiel-Erlebnis – akustisch und emotional. Im Gespräch mit Björn Na von unserer TOYOTA Blindenreportage sprachen wir über die wichtigsten akustischen Merkmale eines Spieltags, die Herausforderungen der rein akustischen Beschreibung, praktische Tipps für ein gesundes Hörerlebnis sowie die Gänsehaut-Momente, die die Leidenschaft und Gemeinschaft hörbar machen.
Wie beschreibt ihr die Stimmung akustisch, damit Fans die Emotionen – Jubel, Fangesänge, Hymne, Einlaufshow – möglichst intensiv wahrnehmen?
„Bei der Einlaufshow beschreiben wir zunächst das komplette Setting: Wie sieht das Haie-Maul aus? Wo genau ist es auf dem Eis aufgeblasen? Rechts und links davon stehen weie Stelen, aus denen kurz darauf die Pyrotechnik schiet. Den finalen, lauten Knall zählen wir gemeinsam mit den Fans herunter. Auerdem schildern wir das begleitende Video sehr detailliert. In dieser Phase sprechen wir bewusst viel, um den Hörerinnen und Hörern möglichst viele Bilder im Kopf entstehen zu lassen.
Bei der Haie-Hymne hingegen sind wir stumm. Wir moderieren sie nur kurz an – dann gehört der Moment den Fans. Während des Spiels analysieren wir alles, was auf dem Eis passiert. Wenn jedoch etwas besonders Beeindruckendes von den Rängen kommt und die Arena tobt, lassen wir diese Atmosphäre gerne ein paar Sekunden unkommentiert wirken.
Auch beim Torjubel schweigen wir bewusst. Erst wenn der Stadionsprecher mit ‚Kölsche Jung‘ und der Verkündung von Torschütze und Spielstand fertig ist, übernehmen wir wieder. Diese Emotionen sollen die Fans in voller Intensität genieen können.“
Welche Elemente eines Eishockeyspiels sind für euch akustisch besonders wichtig, um „Eishockey fühlen“ zu ermöglichen?
„Ganz klar: der Schlagschuss ins Plexiglas oder ein harter Check an der Bande. Diese Geräusche sind so markant, dass man sie manchmal bis in die oberen Ränge hört. Sie transportieren unmittelbar die Geschwindigkeit, die Wucht und die Intensität dieses Sports – selbst ohne Bild.“
Was sind die gröten Herausforderungen beim Beschreiben eines schnellen Spiels allein über das Hören?
„Die gröte Herausforderung ist es, ‚auf Puckhöhe‘ zu bleiben – also immer ganz nah am Geschehen. Wir müssen vollständige Sätze formulieren, gleichzeitig aber auch im Telegrammstil arbeiten können. Dabei geht es darum, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Diese Bilder sind individuell, aber sie ermöglichen es den Hörenden, später über das Spiel zu sprechen, als hätten sie es live gesehen. Das ist unser Idealfall.“
Habt ihr Tipps für Fans, ihr Hörerlebnis in der Arena gesund zu gestalten?
„Ein einfacher, aber wichtiger Tipp: Ohropax oder – gerade für Kinder – geeignete Ohrenschützer mitnehmen. Auerdem hilft es, in den Drittelpausen kurz an die frische Luft zu gehen und den Ohren eine kleine Pause zu gönnen. In der Arena geht das „leider“ nur im Raucherbereich – aber den Ohren ist das zumindest egal (lacht).“
Welche Momente sind für euch akustisch Gänsehaut – und warum?
„Definitiv die Haie-Hymne – in den Playoffs noch einmal intensiver als in der Hauptrunde. Wenn die gesamte Arena mitsingt und wir schweigen können, übernehmen die Fans unsere Arbeit. Besser geht es nicht.
Und natürlich jedes Tor. Wenn wir als Reporter-Team selbst Gänsehaut bekommen, wissen wir: Jetzt kurz genieen. Jetzt wirken lassen.“
Gibt es noch einen spannenden Fakt über das Hören, den kaum jemand kennt?
„Das menschliche Ohr kann bis zu 300.000 unterschiedliche Tonhöhen unterscheiden – und ist damit sogar präziser als das Auge bei Farbunterschieden. In gewisser Weise ist das Hören also noch diffiziler und detailreicher als das Sehen.“
