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"In solchen Momenten möchte ich den Unterschied machen“ - Marcel Noebels im Interview

DONNERSTAG, 21. MAI 2026
Marcel Noebels während seines Besuchs im Haie-Zentrum (Foto: Kölner Haie)

Nach zwölf Jahren bei den Eisbären Berlin wechselt Marcel Noebels, der mit der deutschen Nationalmannschaft 2018 Olympiasilber und 2023 WM-Silber holte, zum KEC. Der Stürmer, der mit den Eisbären in dieser Zeit fünfmal Meister wurde, traf sich mit uns nach Bekanntgabe seines Wechsels und sprach in dem kurzweiligen Gespräch u.a., welche Rolle er künftig einnehmen will, wen aus dem Haie-Kader er schon gut kennt und welche Rolle Kaffee auf seiner Fahrt zum Spiel einnimmt.

Marcel, willkommen in Köln. Was war dein erster Gedanke, als der Wechsel konkret wurde?
„Es war weniger ein Gedanke als vielmehr ein Gefühl – ich habe mich einfach riesig gefreut. Für einen traditionsreichen Club wie die Kölner Haie zu spielen, ist etwas Besonderes. Der KEC gehört zu den größten und erfolgreichsten Vereinen im deutschen Eishockey. Als der Wechsel feststand, hatte ich deshalb direkt ein gutes Gefühl. Ich glaube, dass die Haie – ähnlich wie Berlin – ein Club sind, mit dem man viel erreichen kann.“

Apropos: Du warst zwölf Jahre in Berlin. Jetzt heißt es: neue Stadt, neues Team, neue Kabine. Wen kennst du in der Mannschaft schon besonders gut?
„Natürlich ist das erstmal ungewohnt für mich, weil ich praktisch meine gesamte Karriere bei einem Verein gespielt habe. Gleichzeitig ist die Eishockeywelt aber auch klein. Mit vielen Spielern der Haie habe ich bereits in der Nationalmannschaft zusammengespielt. Am längsten kenne ich Moritz Müller – mit ihm habe ich 2013 meine erste WM gespielt. Aber auch einige andere kenne ich und hoffe, dass wir uns in der kommenden Zeit noch viel besser kennenlernen.“

Was unterscheidet ein gutes Team von einer Mannschaft, die am Ende Titel gewinnt?
„Oft sind es tatsächlich die berühmten Kleinigkeiten. Die Liga ist extrem eng geworden, gerade in den Playoffs kann alles passieren. Entscheidend ist, wie man als Team zusammenhält und wie groß der gemeinsame Ehrgeiz ist. In den wichtigen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen, macht am Ende häufig den Unterschied.“

Wie gehst du mit Drucksituationen um, wenn ein Spiel auf Messers Schneide steht?
„Genau solche Situationen liebe ich. Wenn sich in einem Moment entscheidet, ob du ein Spiel oder sogar eine Serie gewinnst, macht das den Reiz aus. Ich versuche dann, ruhig zu bleiben und an meine Fähigkeiten zu glauben. Diese Ruhe und Verantwortung möchte ich auch künftig aufs Eis bringen.“

Wie hat sich dein Spielstil im Laufe der Karriere verändert?
„Mit der Erfahrung wachsen Selbstvertrauen und Verantwortung automatisch. Ich kenne meine Stärken und Schwächen inzwischen sehr genau. Grundsätzlich habe ich meinen Spielstil aber gar nicht groß verändert. Ich versuche vor allem, Mitspieler in Szene zu setzen und entscheidende Pässe zu spielen.“

Gibt es Routinen, auf die du vor Spielen nicht verzichten kannst?
„Vor der Fahrt zur Arena gibt es immer einen Kaffee. Außerdem beginne ich beim Anziehen immer mit der linken Seite. Solche Routinen gehören für mich einfach dazu – aber alles mit einer gewissen Lockerheit. So kann ich entspannen, fahre gleichzeitig aber auch meine Konzentration hoch.“

Welche Eigenschaft bringst du mit, die für jedes Team wichtig ist?
„Sicherlich die Erfahrung. Ich gehe gerne als Führungsspieler voran und übernehme Verantwortung. Außerdem glaube ich zu wissen, was es braucht, um erfolgreich zu sein.“

Was nervt Mitspieler vermutlich am meisten an dir?
„Dass ich extrem schlecht verlieren kann. Eigentlich kann ich es gar nicht – ich hasse es. Außerdem komme ich mit Ungerechtigkeit nicht klar.“

Welche Musik läuft bei dir vor dem Spiel?
„Ein guter Mix aus House, Hip-Hop und Charts. Damit kann ich vor Spielen gut abschalten und gleichzeitig Spannung aufbauen.“

Welchen Song würdest du dir für dein erstes Heimspiel wünschen?
„Wenn ich mich entscheiden müsste, dann wahrscheinlich Klingklang von Keimzeit.“

Was können die Fans von dir erwarten, wenn es in engen Spielen darauf ankommt?
„Ich hatte das Glück, in meiner Karriere schon viele entscheidende Spiele zu erleben – im Verein und in der Nationalmannschaft. Daraus habe ich viel gelernt. Ich kann nichts versprechen, aber genau in solchen Momenten möchte ich Verantwortung übernehmen und den Unterschied machen.“

Was wird am Eishockey von außen am meisten unterschätzt?
„Definitiv die Geschwindigkeit. Nicht nur auf dem Eis selbst, sondern auch im Kopf. Entscheidungen müssen innerhalb von Sekunden getroffen werden. Je näher man am Eis sitzt, desto deutlicher merkt man erst, wie schnell das Spiel wirklich ist.“

Was müsste am Saisonende passiert sein, damit du sagst: Dafür hat sich der Wechsel gelohnt?
„Wenn wir am Ende sagen können, dass wir alles aus der Mannschaft herausgeholt haben. Natürlich träumt jeder davon, das letzte Spiel der Playoffs zu gewinnen. Aber entscheidend ist, sich am Saisonende in die Augen schauen und ehrlich sagen zu können: Wir haben alles gegeben.“