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"Ein überragendes Gefühl"

SAMSTAG, 28. JANUAR 2023
Fühlt sich wohl in Köln: Maximilian Glötzl, der 2016 zu den Junghaien kam.

Maximilian Glötzl stand auch beim Sieg in Berlin einmal mehr auf dem Eis und hatte seinen Anteil daran, dass der KEC den dritten Sieg in Folge holte. Der 20-jährige Verteidiger, der im November des vergangenen Jahres seinen Vertrag bei den Haien verlängerte, fühlt sich in seiner „zweiten Heimat“ pudelwohl und blickt im ausführlichen Gespräch u.a. auf seine spannende Zeit bei den Junghaien zurück.

Max, lass uns noch einmal auf das Heimspiel vom Dienstag gucken. Was war das bitte für eine Aufholjagd?

Wir sind die ersten zwanzig Minuten nicht ins Spiel reingekommen. Im zweiten Drittel haben wir das Heft in die Hand genommen und sind immer wieder an Hannibal Weitzmann gescheitert. Der 0:3-Rückstand hat uns nicht entmutigt. Wir sind zurückgekommen. Insgesamt ist das Spiel nicht unseren Wünschen entsprechend gelaufen, aber ich denke, jeder hat gesehen was für einen guten Charakter und Willen die Mannschaft hat.

Nun zum aktuellen Geschehen: Wie gut tut es, in Berlin gewonnen und damit aus den vergangenen acht Spielen siebenmal gepunktet zu haben?

Das ist ein überragendes Gefühl. In Berlin zu gewinnen, ist immer etwas Besonderes. Wir werden immer konstanter und das ist sehr wichtig für den Endspurt. Jetzt heißt es, Sonntag alles zu geben, um vor der langen Auswärtsserie nochmal dreifach vor den eigenen Fans zu punkten.

Du sprichst den Sonntag bereits an. Am Sonntag steht unser Heimspiel gegen Nürnberg im Zeichen der Junghaie – welche Erinnerungen hast Du an die Zeit bei den Junghaien?

Das war sportlich eine sehr erfolgreiche Zeit. Die Ausbildung bei den Junghaien hat mein Level enorm nach oben geschraubt. Mit allen Mannschaften in den verschiedenen Altersgruppen hatte ich Erfolg, auch wenn es nie zu einem Titel gereicht hat. Mit der U20 hatten wir das Potential und waren nah dran, dann kam aber leider Corona und die Saison war beendet. Meine Zeit im Sportinternat habe ich ebenfalls in guter Erinnerung. Es hat auf privater Ebene mit allen Jungs gut funktioniert und wir haben viel miteinander unternommen. Mit Daniel Bruch, Jussi Petersen aus meinem Jahrgang, aber auch mit den älteren Spielern, z. B. mit Dominik Bokk, hatte ich immer viel Spaß. Und natürlich mit Luis Üffing, der auch aus meiner Heimat kommt und den ich schon seit klein auf sehr gut kenne.

Du bist 2016, im Alter von 14 Jahren nach Köln gekommen, wie war die damalige Umstellung für Dich und wie wurdest Du aufgenommen?

Natürlich ist es eine Umstellung, wenn man in jungen Jahren das Elternhaus verlässt. Plötzlich für alles allein verantwortlich zu sein, fordert einen. Für mich persönlich hat die Umstellung reibungslos funktioniert. Ich wurde von meinen Eltern von Beginn an eigentlich zur Selbstständigkeit erzogen. Die Aufnahme in die Internats-Familie lief gut. Die Betreuer und Leiter hatten immer ein offenes Ohr für mich.

Wenn Du die Jahre mal Revue passieren lässt – welche Tipps würdest Du einem jungen Eishockeyspieler geben?

Unabhängig davon, ob man Eishockey als Breitensport oder mit dem Ziel, später Profi zu werden betreibt: Man sollte das Ziel nie aus den Augen verlieren, immer hart arbeiten und die sich bietenden Trainingszeiten maximal auszunutzen. Als junger Spieler nimmt man es nicht wahr, aber die Zeit verrinnt sehr schnell. Als Endjahrgang in der U20 trauert man den verpassten Gelegenheiten sich zu verbessern hinterher.

Hattest du damals einen Spieler, zu dem du besonders heraufgeschaut hast oder gibt es diesen evtl. noch heute?

Es gibt mehrere – mit einem davon darf ich jetzt sogar spielen, Moritz Müller. Auch er hat die Nachwuchsarbeit des KEC durchlaufen. Mo ist eine Vereinsikone.

Wie bewertest Du Deine momentane sportliche Situation?

Meine sportliche Situation bewerte ich ganz einfach. Ich bin der jüngste regelmäßig eingesetzte Spieler und muss die mir gebotenen Chancen nutzen. Aktuell geben mir die Trainer mehr Eiszeit und in der will ich zeigen, was ich kann.

Zumal Du ja im November letzten Jahres erst Deinen Vertrag bei uns verlängert hast.

Ich hatte gute Gespräche mit den sportlichen Verantwortlichen. Sie haben mir meinen Weg aufgezeigt und mir Vertrauen geschenkt. Ich kann mich mit dem sportlichen Konzept und den Kölner Haien als Verein voll identifizieren und wollte deswegen weiter ein Teil der Haie sein. Dass ich mich in der Stadt Köln sehr wohl fühle, ist nach meiner langen Zeit hier kein Geheimnis Ich gehe jetzt in das siebte Jahr hier in Köln.

Das Spiel gegen Iserlohn, welches ihr 4:3 nach Penaltyschießen gewinnen konntet, war bereits das drittletzte Heimspiel der regulären Spielzeit. Wie groß ist die Vorfreude dann vielleicht nochmal auf Sonntag, in dem Wissen, dass nicht mehr viele Heimspiele anstehen?

Auswärtsspiele sind Teil des Jobs, wenn auch nicht in diesem Umfang. Neun Auswärtsspiele am Stück sind heftig und für Körper und Geist fordernd. Ich bevorzuge klar die Spiele in der LANXESS arena. Der Tagesablauf ist entspannter, die Wege sind kürzer und die Kölner Fans sind als Unterstützung fantastisch. Die Spiele vor dem heimischen Publikum sind etwas Besonderes. Zwischendurch ein Auswärtsspiel ist nicht verkehrt. Die etwas andere Atmosphäre und die unterschiedlichen Rollenverteilungen für das Team lockern die Saison auf. Es ist etwas anderes, in München oder Mannheim als Jäger aufzulaufen oder zuhause gegen Bietigheim als vermeintlicher Favorit. Ich mag die Abwechslung.

Am Sonntag geht es nach dem Spiel noch ins Henkelmännchen, wo der Dauerkarten-Fan-Tag wartet. Wie wichtig ist Euch der Austausch mit den Haie-Fans?

Ohne Fans sind wir als Spieler gar nichts. Mich interessiert, was die Fans von den Haien, von der Saison oder mir als Spieler halten. Die Fans sind unsere Basis. Haben wir als Mannschaft Erfolg, dann haben die Fans eine gute Zeit, freuen sich und kommen gerne wieder. Das ist unser Antrieb.

Dann kommen erstmal neun Auswärtsspiele am Stück – wie bereitet ihr Euch darauf vor, macht das mental irgendwas mit Euch?

Ja, auf die erhöhte Belastung muss man sich vorbereiten. Der Tagesablauf ist ein anderer. Man muss für sich einen neuen Rhythmus finden. Zwischen der Trainings-, Spiel- und Reisebelastung sollte man für sich den optimalen Wechsel zwischen Ruhe- und Schlafphasen und aktiver Bewegung finden. Das ist besonders für junge Spieler herausfordernd. Die erfahrenen Spieler haben diesen Ablauf über die Jahre perfektioniert und wissen genau, was sie in welcher Dosierung brauchen, um auf einem langen Auswärtstrip dennoch ihre Höchstleistung auf dem Eis abrufen zu können.

Was vermisst Du bei Auswärtsreisen am meisten?

Die LANXESS arena natürlich und die große Anzahl an Zuschauern und Fans. Außerdem die Routine und das Gefühl, einfach zuhause zu sein. Aber das ist Teil des Jobs – egal wo und wie, man hat seine Leistung zu bringen.

Generell scheinst Du recht heimatverbunden zu sein – auf Deinem Instagram-Profil sind viele Fotos von Dir in der Heimat zu sehen. Würdest Du das „heimatverbunden“ unterstreichen?

Peiting ist und bleibt meine Heimat, auch wenn ich mich in meiner Wahlheimat sehr wohl fühle. Meine kurzen Besuche in Bayern nutze ich, um mit der ganzen Familie die hervorragende Küche meiner Mutter zu genießen. Unternehmungen mit Freunden stehen an zweiter Stelle. Wir treffen uns, wann immer es möglich ist, mit einer ganzen Gruppe, um uns auszutauschen und einfach Spaß zu haben. Vom einfachen Zusammensitzen über Radtouren bis zu Badefahrten ist da alles dabei, mit Ausnahme von Bergtouren. Berge sehe ich mir lieber von unten an.

Wieviel Heimat steckt für Dich bereits in Köln?

Ich habe hier viele prägende Jahre verbracht, viele schöne Erinnerungen gesammelt und neue Freunde kennengelernt – Köln ist meine zweite Heimat. Aktuell habe ich mir meine Wohnung neu möbliert, was glaube ich, schon darauf hindeutet, dass ich noch einige Jahre hierbleiben will.

Wer Max Glötzl und die Haie vor ihrer langen Auswärtsreise nochmal live erleben möchte, der kann sich im Online-Ticketshop sein Ticket für das Heimspiel am Sonntag (29.01. – 16:30 Uhr) gegen die Nürnberg Ice Tigers sichern.

Junghaie
Saison 2022/2023