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"Das ist das größte Geschenk an diesen 1.000 Spielen" - 10 Fragen an Moritz Müller

DONNERSTAG, 23. FEBRUAR 2023
Absolviert am Freitag in Iserlohn sein 1.000 Spiel im Trikot der Kölner Haie: Moritz Müller. (Foto: City-Press GmbH)

Am Freitag ist es so weit. Als neunter Spieler der PENNY DEL-Geschichte absolviert Haie-Kapitän Moritz Müller sein 1.000 Spiel in eben jener Liga. Seit 20 Jahren trägt „Mo“, wie er eigentlich nur genannt wird, schon das KEC-Trikot. Der Verteidiger, der seine Karriere einst als Stürmer begann, wird nach Haie-Rekordspieler Mirko Lüdemann und dem Berliner Frank Hördler zudem erst der dritte Spieler sein, der 1.000 DEL-Spiele für einen Club absolviert. Mit „seinen“ Haien ist Müller am Freitag zum Rekordspiel ab 19:30 Uhr bei den Iserlohn Roosters zu Gast.

Wir haben „Mo“ vor diesem besonderen Jubiläum zehn Fragen zu (seinen) 1.000 Spielen gestellt:

  1. Kannst du dich noch an dein erstes DEL-Spiel erinnern?
    „Ja, klar, das vergisst man nicht. Es war am 18. Dezember 2003, ausverkauftes Haus zu Hause gegen Düsseldorf. Vor dem Spiel war ich mega aufgeregt. Ich erinnere mich noch, dass die Fans während des Spiels meinen Namen gesungen haben. Das war total surreal. In anderthalb Jahren aus dem Nachwuchs in Kassel zum ausverkauften Derby in der LANXESS arena. Das war schon ein kleiner Karrieresprung (lacht).“

  2. In Nordamerika spricht man häufig von einem „Welcome to the NHL“-Moment, den junge Spieler ganz unterschiedlich haben, sei es beim ersten Training, dem ersten Tor oder einer anderen besonderen Situation. Gab es für dich damals einen „Welcome to the DEL“-Moment?
    „Ja, das war vielleicht mein erstes Tor damals zum 7:1 in Duisburg (03.10.2006, 11:2-Auswärtssieg in Duisburg, Anm. d. Redaktion). Aber eigentlich war es mehr das 10:0 zu Hause gegen Ingolstadt (28.11.2006, Anm. d. Red.), wo ich auch meinen Fight gegen Christoph Melischko hatte. Das war schon so ein Moment, wo ich fühlte, angekommen zu sein in der DEL.“

  3. Welche Trainer und Mitspieler haben dich am meisten geprägt?
    „Mit Sicherheit alle ein bisschen. Mit am meisten geprägt hat mich als Trainer zunächst natürlich Hans Zach, der mir die Chance gab, Profi zu werden und in den Kader zu rutschen. Dann Doug Mason, der mich zum Verteidiger umgeschult hat und zu dem ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis gepflegt habe. Und auch Uwe Krupp, den ich jetzt schon das zweite Mal als Trainer habe und der sehr viel Wert auf das Verteidigerspiel liegt. In dieser Hinsicht konnte ich von ihm sehr viel lernen. Ein gutes Verhältnis hatte ich auch mit Dan Lacroix, der zwar nur kurz da war, mit ihm wir aber bis ins Halbfinale gekommen sind.

    Bei den Mitspielern denke ich immer gerne an Torsten Ankert. Wir saßen bei den Junghaien zusammen und sind am gleichen Tag zum Probetraining in die KA2 gekommen. Dann haben wir doch auch 600 Spiele für die Haie zusammen gemacht. Er wohnt in Pulheim, ich in Widdersdorf und wir sind bis heute gut befreundet. Aber da gibt es so viele, und ich werde bestimmt den einen oder anderen vergessen. Über die Jahre sind einige lustige, innige Freundschaften endstanden.“

  4. Was war deine größte Niederlage mit den Haien?
    „Das war ganz klar das Spiel Sieben im Finale 2014 in der LANXESS arena. Bis heute ist das sehr schmerzhaft. Zum einen, da wir das Spiel und die Meisterschaft verloren haben und zum anderen, da die Niederlage dazu geführt hat, dass bei den Haien anschließend eher schwierige Zeiten angebrochen sind.“

  5. Was war die schönsten Momente/Highlights deiner bisherigen Zeit mit den Haien?
    „Da denke ich zunächst an das Overtime-Spiel gegen Mannheim mit den neun Dritteln zurück (22.03.2008, Anm. d. Red.), dann an die verrückte Playoff-Serie gegen Ingolstadt 2019, in der wir 1:3 zurücklagen und die Serie zu Hause in ein 4:3 gedreht haben. Aber auch an das WINTER GAME diese Saison denke ich, wo es schön war, als Haie endlich ein WINTER GAME zu gewinnen. Oder auch an das Derby diese Saison, welches wir kurz vor Schluss drehen konnten. Es war aber auch schön, damals im Pokal zu spielen. Aber auch hier gibt es so viele Momente, viele schöne Erinnerungen, da fällt es schwer, jetzt ein Spiel oder einen Moment herauszunehmen.“

  6. Was war der lustigste/peinlichste Moment deiner bisherigen DEL-Karriere, wer war dein lustigster Teamkollege?
    „Ich weiß, dass ich einmal in der LANXESS arena auf die falsche Strafbank gegangen bin. Das war schon ein bisschen peinlich. Ansonsten war der witzigste Teamkollege wohl Johannes Salmonsson. Sein schwedischer Spitzname war passenderweise auch ‚Legende‘ und die war er wirklich. Mit ihm war es nie langweilig.“

  7. Welche Worte kommen dir als erstes in den Kopf, wenn du an Köln und die Haie denkst?
    „Heimat, zu Hause. So fühlt es sich an. Eine Sache, die mir in den vergangenen Jahren immer wieder bewusst geworden ist, dass man ja zusammen mit den Fans älter wird. Teilweise kenne ich Fans, die waren Kinder oder Jugendliche, wo ich angefangen habe und sie sind 20 Jahre später immer noch da. Das ist schon etwas Besonderes.“

  8. Wie hat sich der Spieler, aber auch der Mensch Moritz Müller in den letzten 20 Jahren verändert?
    „Beide haben sich verändert. Fangen wir mit dem Spieler an: Als Verteidiger ist es wichtig, dass man bestimmte Erfahrungen macht. Da bin ich über die Jahre gereift und ruhiger geworden. Ich spiele nicht mehr so hektisch, sondern überlegter. Als Mensch bin ich sanfter geworden. Ich habe – besonders in jungen Jahren – viel kämpfen müssen und habe vielleicht auch in den Anfangsjahren bei den Haien immer sehr viel selbst von mir gefordert und auch immer viel von anderen. Ich musste mich da selbst erst kennenlernen, dass ich manchmal zu hart zu mir selber bin und vielleicht auch hier und da zu hart zu anderen war. Da bin ich über die Jahre entspannter geworden.“

  9. Wenn du eine Starting Six von ehemaligen und aktuellen Haie-Mitspielern aus deinen 1.000 Spielen aufstellen könntest, wer würde dann an deiner Seite spielen?
    „Im Tor wäre Hannibal Weitzmann. In der Verteidigung Torsten Ankert und ich. Den Lüde würde ich aber auch mitnehmen, der müsste dann aber im Sturm spielen, so wie in seinem letzten Profijahr. Dazu wäre auf jeden Fall Felix Schütz dabei. Er war ein sehr lustiger Mannschaftskollege, mit dem ich auch viel erlebt habe. Zum Abschluss als Center Ryan Jones.“

  10. Was bedeutet es dir, 1.000 Spiele in der DEL und damit auch 1.000 Spiele für die Haie zu spielen?
    „1.000 Spiele für einen Club sind nochmal etwas anderes als 1.000 Spiele in einer Liga. Wenn man 1.000 Spiele für einen Verein macht, dann wird man auch etwas zu der Sache und die Sache wird auch etwas zu einem. Der Erfolg der Mannschaft ist gleichbedeutend mit dem Erfolg, den man als Spieler hat. Ich empfinde es als großes Privileg und bin sehr dankbar, 1.000 Spiele für die Haie gemacht zu haben. Das größte Glück, was ich hatte, sind die Menschen, die ich auf dem Weg kennenlernen durfte. Spieler, Trainer, Fans und die Herzen, die ich berühren konnte und die mich berührt haben. Das ist das größte Geschenk an diesen 1.000 Spielen.“