Wir befinden uns aktuell in einer spielfreien, aber keineswegs komplett trainingsfreien Sommerpause. Während einige Jungs aktuell in ihrer Heimat etwas durchatmen und sich gleichzeitig mit individuellen Trainingseinheiten fithalten, haben wir hier in Köln bei uns auf dem Eis des Haie-Zentrums immer wieder kleine Gruppen, die sich auf die Saison 2026/2027 vorbereiten. Mit dabei ist häufig Thomas Brandl, Teil des Haie-Trainerteams, der als Development Coach verschiedene Aufgaben hat.
Zusammen mit unserem Partner TRICORP wollen wir in der Rubrik „Hardest Worker“ immer wieder das Team hinter dem Team vorstellen und euch die Leute näher bringen, die hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Thomas, vorab einmal: Wie würdest du deinen Job jemandem erklären, der noch nie von einem „Development Coach“ gehört hat?
„Es gibt drei Gruppen von Spielern, die ich betreue. Die erste Gruppe besteht aus Spielern an der Schnittstelle zwischen den Profis und den Junghaien. Die versuchen wir, an das Niveau der Profis heranzu führen. Die zweite Gruppe sind die U23-Spieler, die dem Profikader angehören – dann gibt es noch eine dritte Gruppe: Das sind die Rekonvaleszenten, die wir behutsam wieder ins Mannschaftstraining integrieren möchten.
Wobei geht es in der Arbeit?
„Ich versuche, gerade die jungen Spieler besser zu machen – technisch, läuferisch und taktisch. Es geht um Stocktechnik, Schlittschuhlauftechnik und um Details im Systemspiel. Ich arbeite mit den Spielern auf dem Eis, analysiere mit ihnen Videoaufnahmen und unterstütze sie ergänzend zum Trainerteam. Dabei geht es oft um Kleinigkeiten, die am Ende einen groen Unterschied machen.“
Hast du ein konkretes Beispiel?
„Nehmen wir den Zweikampf: Viele fahren einfach auf den Gegner zu. Ich versuche zu vermitteln, dass zuerst der Schläger zum Gegner geht – ‚Stick to puck‘. Am Schläger hängt der Arm, am Arm hängt der Körper. So trennt man den Gegenspieler von der Scheibe. Das sind Details, die im modernen Eishockey enorm wichtig sind.“
Was macht für dich einen Spieler wirklich entwicklungsfähig?
„Zunächst einmal die läuferischen Fähigkeiten und natürlich die körperliche Konstitution. Aber genauso wichtig ist die Einstellung zum Mannschaftssport. Allein kannst du vielleicht glänzen, aber du gewinnst nichts. Erfolgreiche Spieler verstehen, dass Teamarbeit entscheidend ist und mit Professionalität einhergeht.“
Was bedeutet für dich Professionalität – gerade, wenn niemand zuschaut?
„Genau das ist der entscheidende Punkt. Ein Development Coach oder Trainer steht nicht rund um die Uhr neben dem Spieler. Alles auerhalb des Trainings ist deshalb extrem wichtig: Schlafgewohnheiten, Ernährung, Regeneration und Körperpflege. Der Körper ist ein Hochleistungsmotor. Den musst du pflegen und richtig behandeln, damit er dauerhaft funktioniert. Das kann dir niemand abnehmen. Man kann Spielern erklären, wie wichtig diese Dinge sind – aber umsetzen müssen sie es selbst. Viele dieser Dinge sind eigentlich „talentfrei“. Jeder kann diszipliniert sein, auf seinen Körper achten oder konstant arbeiten. Aber genau dieses tägliche Dranbleiben ist echter Professionalismus.“
Werden junge Spieler heute anders entwickelt als noch vor 20 Jahren?
„Ja, definitiv. Die Generationen haben sich verändert. Früher brauchte ich persönlich eher einen sehr harten Trainer. Dinge wurden nicht gro hinterfragt – man hat sie einfach gemacht. Heute wollen junge Spieler verstehen, warum sie etwas tun: Warum trainieren wir das? Was bringt es? Wie entwickelt sich daraus später etwas Gröeres? Das ist grundsätzlich etwas Gutes, aber eben auch ein Unterschied zu früher. Wenn Spieler den Sinn verstehen, steigt oft auch die Qualität der Entwicklung.“
Gibt es einen Spieler, dessen Arbeitsmoral dir besonders im Kopf geblieben ist?
„Ganz klar: Udo Kieling. Ich kenne Udo, den ich ohne Zweifel als meinen Mentor bezeichnen würde, seit ich ungefähr zehn Jahre alt war. Er hatte Talent, aber vor allem hat er die ‚talentfreien‘ Dinge auergewöhnlich gut gemacht. Wenn er etwas nicht konnte, hat er so lange daran gearbeitet, bis er es beherrscht hat. Er hatte die richtige Einstellung, wollte unbedingt besser werden und etwas erreichen. Deshalb hatte er auch so eine auergewöhnliche Karriere im deutschen Eishockey. Wahrscheinlich hätte er sogar noch länger spielen können, wenn ihn Verletzungen nicht gestoppt hätten.“
Würdest du sagen, dass er ein echter „Hardest Worker“ war?
„Absolut. Wenn bei ihm etwas technisch nicht funktioniert hat, ist er immer zu den einfachen Dingen zurückgekehrt: arbeiten, laufen, Zweikämpfe führen, Checks zu Ende fahren. Als Spieler war ich selbst oft nervös vor groen Spielen. Dann habe ich mir immer drei Dinge gesagt: ‚Work hard. Finish your checks. Short shifts.‘ Wenn du hart arbeitest, bist du immer im Spiel. Wenn du deine Checks zu Ende fährst, bist du unangenehm für den Gegner. Und mit kurzen Wechseln bleibst du körperlich frisch. Genau das hat Udo Kieling ausgezeichnet. Wenn die komplizierten Dinge nicht funktioniert haben, hat er sich über die einfachen Dinge zurück ins Spiel gearbeitet.“
Welche Eigenschaften würdest du jungen Sportlern mitgeben?
„Kurz und knapp: Flei schlägt Talent. Demut und Bodenständigkeit sind enorm wichtig. Disziplin und Pflichtbewusstsein entscheiden langfristig über Erfolg und Teamfähigkeit ist unverzichtbar.“
Welchen Rat hätte der heutige Thomas gerne mit 18 Jahren bekommen?
„Rückblickend hätte ich gerne früher ein noch härteres und professionelleres Trainingsumfeld gehabt. Ich habe später gesehen, welchen Unterschied professionelle körperliche Entwicklung machen kann. Vielleicht hätte ich mit diesem Wissen und dieser Struktur noch mehr aus meinem Potenzial herausholen können. Aber ich bin sehr glücklich über die bisherige Reise und schaue zufrieden auf alles zurück.“