2008/09: Das schlimmste Jahr der Geschichte

Nach der tollen Spielzeit 2007/2008 kam es für die Haie in der Saison 2008/2009 knüppeldick. Es sollte ein echtes „Seuchenjahr“ werden. Als Vize-Meister ging der KEC ins Rennen und landete am Ende auf dem vorletzten Platz. Erstmals seit 27 Jahren verpassten die Haie die Play Offs. Die Saison 2008/2009 war eine bittere Enttäuschung und die schlechteste der Club-Geschichte.

Rückschläge schon vor Saisonstart

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Christoph Ullmann wurde Haie-Topscorer
 

Dabei war der Kader vielversprechend besetzt. Das Team aus der Vize-Saison blieb im Stamm erhalten, dazu kamen im Sturm Christoph Ullmann und Christoph Melischko, die die Abgänge von Sebastian Furchner und Kai Hospelt kompensieren sollten sowie in der Abwehr Harlan Pratt für John Slaney. Das Feld für einen erneuten Angriff auf den Titel schien bestellt, die so genannten Experten tippten die Haie in die Spitzengruppe der Liga, doch schon vor dem Start in die DEL-Saison musste KEC-Manager Rodion Pauels zwei herbe Rückschläge hinnehmen. Ende Juli verließ Haie-Torjäger Ivan Ciernik den KEC in Richtung Novosibirsk. Er hatte Probleme mit Trainer Doug Mason und einigte sich schließlich mit den Haien auf eine Vertragsauflösung. Der NHL-erfahrene Mike Johnson wurde nach verpflichtet.

Mitte August erreichte die Haie und ihre Fans eine traurige Nachricht. Nummer-1-Torwart Robert Müller erlitt einen gesundheitlichen Rückschlag und fiel bis auf weiteres aus. Zwar kämpfte sich der Publikumsliebling noch einmal heran und feierte Mitte November ein viel beachtetes und emotionales Comeback, mehr als ein paar Kurzeinsätzen ließ die Gesundheit aber leider nicht zu. Zunächst als Übergangslösung, später als Stammkeeper eingesetzt, wurde der Kanadier Frank Doyle der neue Mann im Haie-Tor.

Sieben Pleiten zum Auftakt: Mason muss gehen

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Doug Mason musste am 22.09.08 gehen

Nach eher mittelmäßigen Vorbereitungsergebnissen und dem peinlichen Pokal-Aus in Runde 1 (Mini-Turnier mit Spielen gegen Bremerhaven und Ravensburg) begann die DEL-Saison mit der Wiederauflage des Finales von 2008: Haie gegen Eisbären. Die Fans in der Arena sahen ein abwechslungsreiches Spiel, welches die Eisbären am Ende mit 2:1 gewinnen konnten. Die Misere der Haie war eingeleitet, ob gleich dies an diesem Abend natürlich noch niemand ahnen konnte.

Doch spätestens zwei Spiele später wurde es ungemütlich. Der KEC vergeigte zwei Derbys gegen Düsseldorf. Zunächst unterlagen die Haie in der Landeshauptstadt unglücklich mit 0:2, dann aber wurden sie in eigener Halle mit 4:7 überrollt. Die Krise war da – und wollte zunächst auch kein Ende nehmen, im Gegenteil. Nach weiteren Niederlagen gegen Iserlohn, Kassel, Hamburg und Nürnberg zog der KEC die Reißleine und trennte sich von Trainer Mason. Null Punkte aus sieben Spielen zwangen Geschäftsführer Thomas Eichin zu diesem Schritt: „Wir mussten als Club reagieren, weil kein weiterer Spielraum mehr da war. Wir bedauern die Entwicklung sehr.“

Unter Beddoes wurde es besser – aber nicht auf Dauer

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Clayton Beddoes beim Sieg in Frankfurt
 

Clayton Beddoes, der bisherige Co-Trainer wurde auf den Chefposten gehievt. Der sympathische Kanadier schaffte es zunächst, den freien Fall zu stoppen. Im achten Spiel der Saison gelang den Haien bei Beddoes´ Premiere in Frankfurt Ende September der erste Saisonsieg (3:1). Auch wenn es weiterhin teils herbe Rückschläge gab (1:6 gegen Krefeld, 1:5 gegen Wolfsburg), sammelte der KEC seine Punkte. Mühsam wurde der Anschluss an Platz zehn hergestellt und ein herzerfrischender Derby-Sieg gefeiert (6:5 n.V.), doch von Dauer war auch dieser leichte Aufwärtstrend nicht.

Ende November war Beddoes´ Zeit beim KEC abgelaufen. Nach der 2:4-Niederlage zu Hause gegen Augsburg musste er gehen. Gerade die Heimschwäche war es, die den Haien 08/09 sportlich das Genick brach. Insgesamt holte der KEC in der Arena gerade mal sieben Drei-Punkte-Siege, selbst auf fremdem Eis waren die Haie mit acht glatten Saisonsiegen besser.

Rupert Meister kann auch nichts mehr retten

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Rupert Meister
 

Rupert Meister, bis dato DNL- und Torwarttrainer beim KEC übernahm das Ruder. aber ein Team ohne Selbstbewusstsein. Die Abwärtsspirale stoppen konnte auch er nicht. Die Krise hatte längst eine rasante Eigendynamik entwickelt. Dass einem Team, das unten drin steht, auch meist noch das Glück fehlt, musste der KEC gleich bei Meisters Premiere erleben. Im Heimspiel gegen Iserlohn am 8. Dezember fehlten nur fünf Sekunden zum wichtigen „Dreier“, ehe die Roosters ausgleichen und später das Eis als Sieger verlassen konnten. Das Spiel taugt als Symbol für die gesamte Spielzeit: Am Ende fehlte eben immer ein kleines Stück. So quälte sich der KEC durch die letzten Wochen der Saison. Immer wieder aufflackernde Hoffnung, den Endrundenplatz doch noch zu erreichen (wie nach dem 5:1-Sieg in Wolfsburg am 14.12. oder dem überraschenden 5:4-Erfolg beim Meister in Berlin am 30.12.), wurde stets jäh vernichtet. Immer wieder haderten die Haie dabei mit ihrer Heimschwäche. Der so sehr herbei gesehnte Befreiungsschlag in der Arena wollte einfach nicht gelingen. Immer wieder ließ der KEC die Punkte auf eigenem Eis liegen. Für die Fans wurde die Spielzeit zur lähmenden Geduldsprobe. Immer häufiger aber machten die Anhänger ihrem Frust bei den Heimspielen Luft. Häme und Spott ergossen sich über den Haien.

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Frank Doyle

Als klar war, dass die Play Offs realistisch nicht mehr zu erreichen waren, zog der KEC Konsequenzen. Harlan Pratt (Zürich), Stéphane Julien (Salzburg) und Kamil Piros (Jönköping) wurden Ende Januar 2009 aus ihren Verträgen entlassen. So sparten die Haie wenigsten die Gehälter dieser Profis. Zuvor wurde bereits der Kontrakt mit Johnson aufgelöst, der die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Nachwuchsspieler aus der Talentschmiede des KEC wie Marcel Ohmann, Norman Hauner, Dennis Steinhauer und Julian Eichinger wurden ins „DEL-Feuer“ geworfen und überzeugten durch viel Ehrgeiz und Unbekümmertheit.

Versöhnliche Resultate zum Schluss und ein bewegender Abschied

Die Haie schafften es wenigstens, die Saison würdevoll zu Ende zu spielen. Besonders bei den vielen aufeinander folgenden Auswärtsspielen gegen Saisonende zeigte der junge Haufen beachtliche Auftritte. Gerade der 8:5-Sieg beim Tabellenführer in Hannover Mitte Februar ließ aufhorchen. Als wäre der KEC nicht schon geschunden genug, suchte die Haie aber auch noch ein Magen-Darm-Virus heim. In Nürnberg am 20. Februar standen elf Spieler unter 23 Jahren im Team. Doch die Haie zeigten Enormes und klauten den Ice Tigers einen Punkt (3:4 n.P.). Auch zwei Tage später agierte der KEC als „Spielverderber“, als er in Straubing den Tigers die letzte Chance auf die Play Offs raubte (5:2).

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Dave McLlwain nahm Abschied
 

Richtig emotional wurde es beim letzten Heimspiel in der LANXESS arena am 27. Februar 2009. Knapp 15.000 Fans erlebten nicht nur einen Heimsieg gegen die Adler Mannheim (5:2) und damit den ersten heimischen Drei-Punkte-Sieg seit mehr als drei Monaten sondern vor allem den Abschied von Kapitän Dave McLlwain. Nach neun Jahren in Diensten des KEC sagte der Kanadier „Tschö“. McLlwain spielte seit 2000 für den KEC. Er bestritt 508 Liga-Spiele für die Haie, erzielte 162 Tore und gab 325 Vorlagen (487 Scorerpunkte). Nur sieben Spieler in der Geschichte der Kölner Haie haben mehr Einsätze für Köln absolviert haben (Mirko Lüdemann, Peppi Heiss, Miro Sikora, Jörg Mayr, Andreas Lupzig, Udo Kießling und Werner Kühn). Kein ausländischer Profi hat mehr Haie-Partien gespielt als der zum Saisonschluss 08/09 41jährige (Stand 2009). 2002 gewann McLlwain die Deutsche Meisterschaft mit den Haien, 2004 den Pokal, er wurde zwei Mal DEL-Topscorer, vier Mal Haie-Topscorer, wurde sechs Mal ins DEL-ALL-STAR-TEAM gewählt und 2007 zu „Kölns Sportler des Jahres" ernannt.

Eine Zeremonie mit Bildern seiner Kölner Karriere auf dem Videowürfel, Abschiedsgeschenken von Fans und Club, viel Applaus und Sprechchöre sowie Videobotschaften von den Ex-Haien Alex Hicks, Brad Schlegel sowie seiner Frau Lise und Sohn Nathan rührten Dave McLlwain schon vor dem Spiel gegen Mannheim zu Tränen.

Die Dramaturgie des Spiels hielt den nächsten Höhepunkt schon in der dritten Spielminute bereit: Ausgerechnet McLlwain erzielte das erste Tor und das 1:0 für die Haie. Bis weit nach Spielschluss wurde McLlwain gefeiert. Der Abend diente ein Stück weit als Versöhnung für die schlechte Saison. Am Ende verließ wohl jeder Kölner Fan die Halle mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

„Dieses Spiel hat sehr, sehr viel verkörpert“, bilanzierte Trainer Rupert Meister nach der Partie, „es war ein Abschied, Umbruch und ein Neuanfang.“ Für viele Fans fühlte sich das letzte Heimspiel der Saison mit den vielen bewegenden Momenten und dem starken Auftritt einer wieder mal jungen Haie-Mannschaft wie der Startschuss in die neue Spielzeit an.

Wirtschaftliche Probleme

Ein Neuanfang war auch nötig, denn auch wirtschaftlich war die Saison 2008/2009 mehr als schwierig. Fehlende Zuschauereinnahmen, der angekündigte finanzielle Rückzug von Gesellschafter Göttsch und die allgemeine Wirtschaftskrise brachten den KEC in arge Schieflage.

Größte Anstrengungen waren nötig, um den KEC wieder in ruhigere Gewässer zu leiten. Die Haie schafften es, neue Investoren zu gewinnen, so dass sie gemeinsam mit ihren Fans 2009/2010 einen Neustart schaffen können.

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